Herbstversammlung, 6.11.2015

Rund 80 Zuhörer sind aufmerksam den ausführlichen Informationen  von Ruedi Ritter aus Hasle Ruegsau im Gemeindesaal Niederweningen gefolgt.

 

Wie der sommerlichen Hungerzeit bei den Bienen beizukommen ist, erläuterte an der Herbstversammlung der Bienenexperte Ruedi Ritter. Der Agronomie-Ingenieur imkert seit 47 Jahren, ist in der Imkerausbildung tätig und unterhält etwa 20 Bienenvölker.

Im Frühjahr liefern vor allem die Blüten des Löwenzahns, der Obstbäume und des Rapses den Bienen viel Nahrung. Danach folgt eine Trachtlücke, die von etwa Mitte Mai bis Mitte Juli dauert. «In der Regel können die Läuse diese Lücke gut schliessen – aber nicht immer», sagte der ­Experte an der von rund 80 Interessierten besuchten Versammlung. Zwar würden auch Bäume wie Robinie und Linde als Nahrungslieferanten dienen, dennoch sei das Angebot zu knapp.

Sommerzeit, Hungerzeit

Die Zeit von Mitte Mai bis Ende Juli ist für die Bienen oft eine stressige Zeit, da die ge­gen­über früher monotone Landwirtschaft und die oft sterilen, mit fremdländischen Pflanzen bestückten Hausgärten den Insekten kaum Nahrung bieten. Fehlen in dieser Zeit auch noch die Blattläuse, macht sich die Trachtlücke, wie diese Nahrungsknappheit genannt wird, besonders stark bemerkbar. Und das ausgerechnet dann, wenn die Bienenvölker ihre maximale Grösse erreichen und am meisten Brut pflegen müssen.  Dieser Stress – am meisten Arbeit und am wenigsten Nahrung – kann sich auf die Gesundheit der Bienen und ihrer Brut auswirken. Im schlimmsten Fall geht das ganze Volk ein.

Si­tua­tion im Herbst entspannt

Im Spätsommer und Herbst, wenn die Bienenvölker kleiner werden und sich schon für die Überwinterung bereit machen, verbessert sich das Nahrungsangebot durch spät blühende Pflanzen und Sträucher wieder. Zudem füttern die Imker ihre Bienen nun auf, was im Sommer nicht möglich ist.

Einheimische Gewächse

Für zusätzliche Nahrungsquellen für die Honigbienen und andere Insekten könnten gemäss Ritter sowohl die Landwirte wie auch Kantone, Gemeinden und Hausbesitzer sorgen. Die Bauern, indem sie blumenreiche Ackerrandstreifen, Buntbrachen und Hecken mit geeigneten Gehölzen anlegen. Für die ökologische Aufwertung ihrer Flächen werden Landwirte vom Bund finanziell entschädigt.

Auch Gemeinden können ihren Beitrag leisten, indem sie Uferhecken pflanzen und pflegen. Die Hecken dürften jedoch nicht vor der Blüte geschnitten werden, da dadurch diese Nahrungsquelle für Insekten versiegen würde, noch bevor sie zu fliessen begonnen hat. Auch darf nicht unmittelbar nach der Blüte eingegriffen werden, da dadurch nistende Vögel um ihren Nachwuchs gebracht würden, erklärte Ritter. Blumenrabatten in Gemeinden könnten ebenfalls sehr nützlich sein.

Hausgärten könnten zu Bienenweiden werden, wenn zum Beispiel statt eines Rasens eine Blumenwiese mit einer für Bienen geeigneten Samenmischung gesät werde, sagte Ritter. Der Referent ermunterte die Anwesenden, ihre Gärten mit einheimischen Sträuchern wie Kornelkirsche, Schwarzdorn oder Himbeeren zu bepflanzen. Neophyten wie Goldruten oder für Insekten nutzlose Ziersträucher wie Forsythien oder Sommerflieder solle man entfernen.

Gemeinsam für die Natur

Der Berner Imkerausbildner und Bauernberater plädiert für eine Zusammenarbeit aller Beteiligten. So könnten zum Beispiel Imker- oder Naturschutzvereine Landwirte oder Gemeinden bei der Heckenpflege unterstützen, denn alle Beteiligten würden davon profitieren. «Ich gehe gerne zu den Bauern, um für die Imker zu werben; und ich gehe gerne zu den Imkern, um für die Bauern zu werben», sagte Ritter.

An der Versammlung in Niederweningen nahmen denn auch nicht nur Imker und Gartenbesitzer, sondern auch eine Delegation des Natur- und Vogelschutzvereins Wehntal teil. So könnte eine Kooperation mit den Imkern entstehen. 

 

(weitere Bilder in der Fotogalerie)

Informationen zur Trachtverbesserung von Ruedi.doc (72704)